Geschichte

Von der Gesangsabteilung des Verein Gemeinde Cementwerk Leimen

Mit der Errichtung des Portland-Cement-Werks Heidelberg inmitten der Felder weitab des Leimener Stadtkerns entstanden ab 1896 zahlreiche Werkswohnungen. Mit der Zeit wuchs aus den Anwohnern des Zementwerks eine kleine „Gemeinde“ aus Arbeitern und Beamten, die durch ihre isolierte Lage vor der Stadt ihr Eigenleben führte.

Tafel mit den Gründern der Vereinsgemeinde Cement-Werk Leimen

Am 22. März 1903 trafen sich 20 Personen im Gasthaus „Zur Jägerlust“, um einen Verein mit Namen „Verein Gemeinde Cementwerk in Leimen“ zu gründen, mit dem Ziel, die politische Unabhängigkeit von Leimen zu erreichen.

Nachdem dieser Versuch fehlgeschlagen war, suchte man nach anderen Betätigungsfeldern und gründete am 28. Juni 1903 eine Gesangsabteilung. In wenigen Monaten wuchs der Verein auf 150 Mitglieder an. Die Gesangsabteilung sollte die Feste durch ihren „Gesang verherrlichen und verschönern, sowie den Humor

in der Gemeinde hoch halten“. Bald entwickelte sie sich jedoch zum eigentlichen Motor der Vereinsgemeinde. Auf zahlreichen Gesangswettbeweben errang sie ansehnliche  Preise.

 

Werksbeamte in der Gaststätte Seeger, die meist auch Mitglied in der Vereinsgemeinde waren.

… zur N.S. Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ Abteilung Gesang des Cementwerks Leimen

Zum 25-jährigen Jubiläum präsentierte sich die Gesangsabteilung der Vereinsgemeinde in bester Verfassung. Ihr musikalisches Reportier umfasste neben Chorgesang auch Operetten- und Theateraufführungen.

„Sängerbund“ in der festlich geschmückten Festhalle, 8. September 1928

Schon Anfang des Jahres 1934 wurde der Sängerbund der Vereinsgemeinde Cementwerk Leimen in die N.S. Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ integriert. Der langjahrige Vorsitzende und der Dirigent mussten auf politischen Druck hin weichen. Pflichtchöre aus dem nationalsozialistischen Liedgut mussten eingeübt werden. Alle Vereinsveranstaltungen mussten dem Kreis-Propaganda-Amt der NSDAP gemeldet und die Programme der Kreisleitung vorgelegt werden. Nicht gemeldete Veranstaltungen wurden verboten.

 

Nachdem auch die früheren Preissingen verboten und durch sogenannte Wertungssingen ersetzt worden waren, war auch der kleinste Rest an Sportsgeist ausgelöscht worden. In der Folge kam die freie Vereinstätigkeit praktisch völlig zum Erliegen und manch einer der Mitglieder zog sich in die innere Emigration zurück und blieb den Gesangsproben fern. Mit Kriegsbeginn entfielen die Gesangsproben immer häufiger, bis schließlich der Verein ruhte.

 

… zum Sängerbund der Vereinsgemeinde Zementwerk Leimen e.V.

Erst am 4. März 1949 startete der amtierende Vorstand einen Aufruf zur Wiederbelebung des Vereins. „30 Sänger haben sich sofort in den Dienst des deutschen Liedes gestellt“, lautete der vielversprechende Neuanfang. Innerhalb kurzer Zeit fand der Verein wieder zu seiner alten Stärke. Aus der großen Zahl der passiven Mitglieder der Vereinsgemeinde gründete sich am 18. April 1951 ein Kegelclub.

Festumzug des Sängerbundes der Vereinsgemeinde, 1953

Zum 50-jährigen Jubiläum erhielt der Verein neuen Zulauf. Bis zum Jahr 1957 zählte er den Höchststand von 196 Mitgliedern, davon 63 Sänger. Mit dem Bau einer eigenen Kegelbahn und der Gründung einer Werkskapelle sowie eines Schachclubs erweiterte sich das Tätigkeitsfeld der Vereinsgemeinde erheblich.

Der Sängerbund erlebte in diesen Jahren seine Blütezeit und eroberte zahlreiche Preise.  Die 1960er und 1970er Jahre waren Jahre der Stagnation und Neuformierung. Bei sinkenden Mitglieder- und Sängerzahlen gelang es dennoch, sehr anspruchsvolle Konzertabende in der Festhalle unter Beteiligung befreundeter Gesangsvereine und Orchester abzuhalten.

Seit den 1980er Jahren traten dem Zeitgeschmack entsprechend zunehmend gesellige Veranstaltungen der leichten Muße in den Vordergrund. Zunehmend beteiligte sich der Verein an kulturellen Veranstaltungen in Leimen, ergriff aber auch teilweise selbst die Initiative in diesem Bereich.

… zum gemischten Chor

Gemischter Chor zum 100-jährigen Jubiläum, 2003

Der anhaltende Rückgung der Beschäftigten im Zementwerk auf unter 200 Mitarbeiter Ende der 1980er Jahre machte sich nun auch stark in einem Rückgang der aktiven Sänger bemerkbar. Der Vorstand entschied sich daher im Jahr 2001 zu einem Experiment, in dem er den Männerchor für Frauen öffnete. Mit Erfolg konnte damit bis heute der Kreis der Aktiven konstant gehalten werden.